Arbeitskreis Asyl in Xanten

Sorge um Stillstand in Flüchtlingsberatung

Xanten. Der Arbeitskreis Asyl fordert die Stadt Xanten auf, die Kündigung der Diakonie für die soziale Betreuung von Flüchtlingen zurückzunehmen.

Von Peter Kummer

In einem Brief an Bürgermeister Thomas Görtz und an die Ratsmitglieder hat sich der Arbeitskreis Asyl dafür ausgesprochen, die soziale Betreuung von Flüchtlingen weiterhin bei der Diakonie zu belassen. Dafür soll die Kündigung des Vertrages, die die Stadt zum 31. Dezember dieses Jahres ausgesprochen hat, zurückgenommen werden. Stattdessen empfie Dhlt der Arbeitskreis, dass sich Stadt und Diakonie zusammensetzen mit dem Ziel, die von beiden Seiten gewünschten Qualitätsstandards für die nächsten zwei Jahre und eventuell darüber hinaus zu vereinbaren.

Bürgermeister Görtz hatte vor einigen Wochen die Politiker über die Kündigung informiert. Dazu hatte er unter anderem angeführt, dass Aufträge nach dem Vergaberecht öffentlich ausgeschrieben werden müssten. Der jetzige Vertrag endet nach zwei Jahren Laufzeit zum Jahresende und hätte sich ansonsten automatisch verlängert. Im Sozial­ausschuss erntete er aber für die Kündigung teilweise deutliche Kritik; auch Mitglieder des Arbeitskreises sprachen sich dagegen aus.

In dem Brief des Arbeitskreises verweisen die beiden Sprecher Wolfgang Schneider und Barbara Kleinpaß unter anderem auf das bestehende Vertrauensverhältnis zu den Flüchtlingen. „An erster Stelle stehen Vertrauen, Kontinuität, Verlässlichkeit und Kooperationsbereitschaft zwischen den vier Akteuren Arbeitskreis, Flüchtlingen, Diakonie und Stadt.“ Diese Eigenschaften müssten stets neu entwickelt werden, indem man daran arbeite und sie vertiefe.

Ein Nachfolger der Diakonie müsse bei Null anfangen, gab Sigrid Tennie vom Arbeitskreis Asyl zu bedenken. Akten und Unterlagen über die Flüchtlinge dürften aus Gründen des Datenschutzes nicht übergeben werden. Ein neuer Anbieter müsse sich erst einarbeiten. „Ein halbes Jahr wird kaum etwas laufen“, meinte sie im Pressegespräch. Im Sozialausschuss habe der Bürgermeister von einer Qualitätsverbesserung gesprochen, „aber nicht gesagt, was genau er damit meint“.

Die Asylkreismitglieder sind sich bewusst, dass sie in diese Vertragsangelegenheiten von Diakonie und Stadt nicht eingebunden werden müssen. Aber die Stadt hätte sie, da man sich oft sehe, darauf ansprechen können, monierte Kleinpaß. „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit der Diakonie zusammen. Es ist eine sehr positive Kooperation“, fasste sie zusammen. Auch wenn die Stadt manchmal eine andere Sicht der Dinge habe.

Es liege kein äußerlicher Grund für einen Wechsel vor, betonte die Sprecherin. Für einen Fortbestand der Zusammenarbeit mit der Diakonie spreche auch das Netzwerk, das diese und vor allem die langjährige Mitarbeiterin Heike Pulich aufgebaut habe. „Sie kennt jeden Flüchtling mit ihren unterschiedlichen Hintergründen persönlich“, so Kleinpaß. Das Netzwerk verhindere organisatorische und beraterische Reibungsverluste. Durch Kontakte mit den Ansprechpartnern größerer Wohnungsgenossenschaften der Region könne man oft auf „kleinem Dienstweg“ vermittelnd tätig werden. Ein vertrauensvolles Miteinander bestehe auch zur Ausländerbehörde, zu Ärzten, Caritas, Krankenhäusern und anderen Stellen. Zudem besitze die Diakonie eine hohe Beratungskompetenz, etwa bei amtlichen Formularen und bei rechtlichen Fragen. 

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