Das Bindeglied zwischen Asyl und Beruf

Oktober 2015: Draußen herbstelt es bei 20 Grad und im Haus Michael sitzen sie in kurzen Ärmeln - die ehrenamtlichen Helfer des Arbeitskreises Asyl - und erfahren die neuesten Entwicklungen über die Flüchtlingslage in Xanten.

Die Welle der Hilfsbereitschaft ist ungebrochen, täglich melden sich Bürger aus Xanten, die gerne anpacken möchten, um den bereits aufgenommenen und den neuen Flüchtlingen mit Rat und Tat und aktiver Hilfe unter die Arme zu greifen.

Die Aufnahme der Flüchtlinge ist in Anbetracht der Umstände vorbildlich. Aber auch die Flüchtlinge werden immer mehr – und warten – und warten. Sie alle haben das Ziel, möglichst schnell auf eigenen Füßen zu stehen. Aber wie und wann?

Das ist ein neues Thema für die kleine Arbeitsgruppe „Schule + Beruf“, die sich an diesem Abend gründet.

Anja Bücken, Sabina Küppers und Ulrich Schönhoff haben sich vorgenommen, sich für diesen Part der Hilfe stark zu machen und alle Player in diesem Spiel zusammenzubringen. Auch wenn die Unterbringung der Flüchtlinge gewährleistet ist, ist sie zunächst einmal eine Sackgasse, weil auf der anderen Seite noch kein Zusammenspiel zwischen Flüchtlingen, Arbeitsvermittlung und relevanten Arbeitsplätzen erfolgt.

Wie packt man ein solches Thema an, ohne irgendeine Vorlage zu haben?

Doch schon nach relativ kurzer Zeit ist klar, dass der Zugang zum Ziel einer erfolgreichen Arbeitsvermittlung nur über die Deutsche Sprache zu erreichen ist. Dr. Wolfgang Schneider konnte gleich zum Start mit einer wegweisenden Offerte der VHS aufwarten: ein voll-finanzierter Deutsch-Intensivkurs für Flüchtlinge mit 4 x 3 Wochenstunden über drei Monate = insgesamt 140 Unterrichtsstunden. Die Herausforderung: Der Start muss noch in 2015 stattfinden.

Hallelujah: Aus dem Stand von 0 auf 100 in …..??!! Ein Porsche ist `ne Sack-Karre dagegen. Schaffen wir das? Keine Frage! Wir zeigen es allen Skeptikern (die wir allerdings nicht hatten).

Und voila: am 17. Dezember trafen sich die ersten Schüler vor der Volksbank und wurden von Heike Pullich-Stöffken zur 1. Klasse ins Haus Michael geführt. Dort schon große Spannung und Aufregung: Würden alle kommen? Würde alles reibungslos ablaufen?

Drinnen verteilen Siegfried Pieper und Daniela Postler (unsere Dozenten) die Unterlagen auf den Schultischen. Im Nebenraum sitzt Frau Keggenhoff (VHS), Dr. Wolfgang Schneider, Barbara Hövel-Kleinpaß und einige weitere Mitglieder und Lehrer des AK Asyl und gleich auch noch Frau Abou Hamdan und Frau Dunkerbeck von der ebenfalls neugeschaffenen Arbeitsvermittlungsstelle der Agentur für Arbeit. Sie werden jeden einzelnen registrieren und später weitervermitteln, soweit dies möglich ist.

Draußen nähert sich der kleine Trupp von Schülern, vorneweg Heike mit etwas dunkler Mine. Die Truppe verteilt sich schnell im Klassenraum, der nur spärlich gefüllt erscheint. Über die Hälfte ist nicht erschienen! Eine Mischung von Enttäuschung, Groll, Nervosität macht sich bei uns breit.

Ein Blick aus dem Fenster beruhigt uns jedoch: tropfenweise trudeln auch die letzten Schüler nach und nach ein. Auch wenn sie nun alle hier sind - im richtigen Deutschland scheinen sie noch nicht angekommen zu sein. Aber auch das werden sie bei uns lernen müssen.

Nun denn – der Anfang ist geschafft.

Heute sind wir knappe 100 Unterrichtsstunden weiter. Unsere Dozenten scheinen sehr zufrieden mit der Ausbeute. Insgesamt 17 hoffnungsvolle Schüler haben bisher mit großem Engagement die harten Deutschnüsse knacken gelernt. Einige werden sicher noch etwas länger benötigen.

Zwischenzeitlich hat sich in der Arbeitsgruppe wieder viel getan:
Die Vorbereitung der 2. Klasse, die am 11. Februar 2016 startete, der übrigens vom Arbeitskreis Asyl selbst bezahlt wird, d.h. Aufnahme jeden einzelnen potentiellen Schülers mit Name, Herkunft, Ausbildung und allen möglichen Daten, die für uns und eine spätere Arbeitsvermittlung hilfreich sind. Anschließend die Zusammenstellung eines möglichst gleichen Lern-Niveaus, so dass auch möglichst alle im Kurs mitkommen.

Erste Gespräche mit Xantener Unternehmern:
Auch das ist eines unserer Ziele. Wo gibt es Unternehmer, die die Möglichkeit haben und auch bereit sind, Flüchtlingen Arbeits- oder Ausbildungsplätze anzubieten? Auch dazu bedarf es einer präzisen Abstimmung, welche Voraussetzungen vorhanden sein müssen, damit überhaupt eine Chance für eine Vermittlung besteht. Ein Bäcker aus Syrien lässt sich schlecht an einen Metzger vermitteln (oder vielleicht doch?) Und auch hier gibt es bereits Erfolge zu verzeichnen: eine Vermittlung an eine Stahlbau-Firma, drei Vermittlungen an das Krankenhaus Bethanien in Moers (zur weiteren Ausbildung), eine Vermittlung in eine Integrationsmaßnahme externer Bildungsträger. Zwei weitere Vermittlungen sind in Arbeit.

Zusammenarbeit mit der Arbeitsvermittlung:
Bereits von Beginn an laufen intensive Gespräche mit dem sogenannten „Integration point“ der Arbeitsvermittlung. Das Ziel dabei ist, die Schüler nach ihren Eignungen noch während ihres Intensivkurses an die Arbeitsvermittlung weiter zu empfehlen, damit dort entweder eine geeignete Folgemaßnahme oder sogar eine berufliche Vermittlung stattfindet.

Bindeglied zwischen Verbänden:
Auch hier sind wir erster Ansprechpartner, wenn z.B. die Kreishandwerkerschaft insgesamt 25 Ausbildungsplätze (fünf davon bereits für Xanten reserviert) in Aussicht stellt.

Es ist bereits viel geschafft innerhalb dieser gerade einmal drei Monate. Auch wenn die Ergebnisse (noch) nicht so offensichtlich sind – es geht voran.

Allerdings - um es klar auszudrücken - Wir könnten noch gut Unterstützung vertragen.

Haben Sie Lust?
Der Steuerungs-Ausschuss würde Sie gern an uns weiter vermitteln.

Nehmen Sie Kontakt zu uns auf:
info@flüchtlingshilfe-xanten.de

(Text und Foto: Ulrich Schönhoff)